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Stillmythen auf den Zahn gefühlt

Stillmythen auf den Zahn gefühlt
Stillmythen auf den Zahn gefühlt

„Es war einmal eine Mutter die stillte, bis sie einen Ratschlag bekam…“ So oder so ähnlich beginnen ganz viele Geschichten. Rund um das Thema Stillen und Säuglingsernährung gibt es ungefähr so viele Meinungen, wie Menschen auf dieser Erde. Ich möchte deshalb in diesem Artikel darauf eingehen, was davon alles stimmt und was du getrost gleich wieder vergessen kannst.

Stillen ist ein Instinkt. Wenn eine Mutter stillen möchte, dann klappt das auch.

Stillen ist ein Instinkt, aber nur von kindlicher Seite aus. Für die Mutter ist es eine sozial erlernbare Fähigkeit. Beim Stillen ist es so, wie bei allen anderen Fähigkeiten auch: Es gibt die Mütter, die stillen einfach drauf los und alles ist gut. Die meisten jedoch benötigen eine Anleitung. In unserer Zeit fehlen allerdings die Vorbilder, weshalb viele Frauen nur teilweise oder gar nicht stillen können, obwohl es rein biologisch gesehen möglich wäre.

In unserer Familie hat niemand gestillt. Es ist genetisch bedingt, dass wir nicht stillen können.

Hier kann ich dich definitiv beruhigen. Ob du stillen kannst oder nicht hängt nicht von deinen Genen ab! Entscheidend für die Stillfähigkeit ist vorhandenes Drüsengewebe. Daher ist es auch unerheblich für den Stillerfolg, wie groß oder klein die Brüste sind, da die Größe der Brust vom Fettgewebe abhängt.

Ich musste am Anfang Flasche geben, da ich nicht genug Milch hatte.

Auch diesen Satz höre ich in ganz vielen Beratungen und Stillgruppen und er macht mich traurig. Traurig, weil so wenig an den eigenen Körper geglaubt wird und so wenig ordentliche Beratung in den Krankenhäusern stattfindet. Wenn es tatsächlich so wäre, dass in den ersten Tagen nicht genügend Muttermilch vorhanden ist, wäre die Menschheit wahrscheinlich schon ausgestorben.
Ja, das Kolostrum – die erste Milch nach der Geburt – wird nur in geringen Mengen produziert. Mehr kann aber auch der Magen deines Babys gar nicht aufnehmen. In den ersten Tagen hat der Magen des Neugeborenen ein Fassungsvermögen von gerade mal 5 bis 20ml, was der Größe einer Kirsche bzw. einer Walnuss entspricht. Genau richtig also, um die noch geringen Mengen an Kolostrum aufzunehmen, bis es zum Milcheinschuss kommt.
Warum ist dann mein Baby oft so unruhig? Nun, es hat die letzten neun Monate in deinem Bauch verbracht. Es kennt nichts anderes als den dunklen, warmen, behaglichen Raum voller Mutterliebe. Und nun ist es in der großen hellen Welt, muss zwickende Kleidung tragen und ist oft viel zu weit von der Mama entfernt. Viel Hautkontakt und Kuscheln helfen deinem Baby bei der Umstellung.

Pack dein Kind bitte gleich nach der Geburt gut ein, damit es nicht friert.

Grundsätzlich ist dieser Ansatz richtig. Neugeborene können noch nicht von alleine ihre Körpertemperatur stabil halten und kühlen daher schneller aus als Kinder oder Erwachsene. Für einen tollen Stillbeginn und den Beziehungsaufbau zu deinem Baby möchte ich dir dennoch vorschlagen, viel Hautkontakt zu deinem Baby zu haben. Also nackt mit nacktem Baby im Bett zu liegen. Die Temperatur deines Babys wird durch deine eigene Körperwärme stabilisiert. Es gibt sogar Studien dazu, dass sich die Körpertemperatur der Mutter den Bedürfnissen des Babys anpassen kann. Außerdem hat das den Vorteil, dass dein Säugling jederzeit die Möglichkeit hat, an der Brust zu trinken bzw. sein Saugbedürfnis zu stillen. Somit ist auch eine optimale Vorbereitung für die beginnende Milchproduktion gegeben.

Meine Milch ist zu dünn. Davon wird das Baby nicht satt.

Die Wissenschaft herausgefunden, dass sich die Zusammensetzung der Muttermilch auf der ganzen Welt gleicht – egal ob Industrienation oder Entwicklungsland. Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass deine Milch zu dünn ist.
Die Muttermilch besteht aus rund 80% Wasser um den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Die weiteren Bestandteile setzen sich aus Fett, Milchzucker, Eiweiß sowie zahlreichen Vitamin, Mineralstoffen und Immunstoffen zusammen – genau in der für dein Baby notwendigen Menge.

In der Stillzeit darfst du Folgendes nicht essen/trinken: Blähendes, Gärendes, Zitrusfrüchte, rohen Fisch, rohe Eier, Kaffee, schwarzen Tee….

Bitte iss, was dir gut tut und lass es dir ohne Gewissensbisse schmecken. Muttermilch wird aus Blut gebildet, nicht aus deinem Mageninhalt.

Wenn du stillst, kannst du nicht schwanger werden!

Ja, es stimmt. Stillen kann die Rückkehr deines geregelten Zyklus nach der Geburt verzögern. Dennoch ist Stillen keine Verhütung und auch kein Hindernis für einen erneuten Kinderwunsch.
Wenn du nach der Geburt natürlich verhüten möchtest, ließ dazu in meinem Artikel Natürliche Empfängnisregelung nach der Geburt weiter.

Du solltest nicht öfter als alle 2 (3, 4…) Stunden stillen. Sonst mischen sich alte und neue Milch im Bauch und das Baby bekommt Bauchweh.

Aaaaah …. nein! Mal ehrlich, bekommst du Bauchschmerzen, wenn du kurz nach dem Essen noch etwas Süßes hinterher isst?
Häufiges Stillen macht keine Bauchschmerzen, auch wenn der Bauch nicht ganz leer ist.

Nach 6 Monaten ist die Muttermilch nicht mehr nahrhaft.

Muttermilch hat immer die richtige Zusammensetzung für dein Baby, das heißt sie verändert sich immer ein bisschen. Mit sechs Monaten finden sich wieder vermehrt Antikörper und Immunglobuline in der Muttermilch, da das Baby nun aktiver wird und vieles in den Mund steckt. Es ist also äußerst empfehlenswert auch darüber hinaus deinem Baby die Brust nach Bedarf anzubieten.

Beim Stuhlgang ist von gestillten Kindern ist alles normal – von mehrmals täglich bis einmal in zwei Wochen.

Jein, bei dieser Aussage kommt es auf das Alter des Kindes an. In den ersten acht Wochen sollten Babys täglichen Stuhlgang haben. Das zeigt, dass sie genug Muttermilch bekommen. Danach kann sich der Stuhlgang umstellen. Einige Babys haben weiterhin regelmäßigen Stuhlgang, andere nur alle paar Tage bis hin zu einem Abstand von 10 bis 14 Tagen.

Nächtliches Stillen führt zu Karies.

Im Gegensatz zu Flaschennuckeln – bei dem die Zähne mit der Pre-Nahrung oder Kuhmilch umspült werden – führt nächtliches Stillen nicht zu Karies. Karies ist eine bakterielle Erkrankung, die sehr oft unwissentlich von den Eltern auf das Kind übertragen wird (Schnuller ablecken etc.)

Klar kannst du dich tätowieren lassen. Aber bitte nach der Stillzeit!

Nein. Auch das ist eine Einschränkung stillender Frauen, die sich auch keinerlei Tatsachen stützt. Die Tattoofarbe kann zwar im Blut nachgewiesen werden, die Farbmoleküle sind allerdings zu groß um in die Muttermilch zu gelangen. Auch das Infektionsrisiko ist bei Stillenden nicht höher, als bei anderen Frauen. Wenn die generellen Hygienemaßnahmen (im Studio und bei der Wundpflege) eingehalten werden, spricht also nichts gegen die Körperkunst.

Ich bin Raucherin und darf daher nicht stillen.

Rauchen und stillen ist besser, als nicht zu stillen. Das Baby wird vor allem durch Passivrauchen beschädigt. Es ist also wichtig nicht in der Wohnung und nicht unmittelbar vor dem Stillen zu rauchen. Wenn eine stillende Frau starke Raucherin ist kann es sein, dass sie weniger Milch hat.

Du willst Abstillen? Hier hast du eine Tablette!

Abstillmedikamente sind Prolaktinhemmer. Sie hemmen, wie der Name schon sagt, das Hormon Prolaktin. Das Hormon Prolaktin tritt nur nach der Geburt in sehr hohen Dosen auf, danach wird es immer weniger. Die Milchproduktion wird dann nicht mehr hormonell gesteuert, sondern nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Daher macht das medikamentöse Abstillen wenn dann nur vor dem Milcheinschuss Sinn.
Da Prolaktinhemmer aber zahlreiche Nebenwirkungen haben, ist in jedem Fall ein natürlicher Abstillprozess vorzuziehen.

Langes Stillen macht Hängebrüste.

Altern macht Hängebrüste. Eine Schwangerschaft – in der sich die Brust auf das Stillen vorbereitet – macht Hängebrüste. Stillen macht keine Hängebrüste! Wenn du also keine Hängebrüste möchtest, solltest du vermeiden zu altern.

Zu langes stillen verzieht dein Kind/macht deinen Sohn schwul/macht die Tochter lesbisch…

Nein, nein, nein! Lass sich auf so einen Blödsinn bitte gar nicht erst ein. Ich denke auch nicht, dass sinnvolles Argumentieren hier noch Sinn macht.

Quellen

http://www.stillen-institut.com/de/muttermilch-formula.html
http://www.stillen-institut.com/de/unzureichende-milchbildung.html
http://www.stillen-institut.com/de/ernaehrung-der-mutter-in-der-stillzeit.html
http://www.stillen-institut.com/de/zahngesundheit.html
https://www.lllc.ca/tuesday-tips-tattoos-and-breastfeeding

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